SucheKontakt
Friedrich Bokern mit Rupert Neudeck bei einer Feier an der ersten Camp-Schule im Jahr 2015

Relief & Reconciliation

Über uns

Wir sind Frauen und Männer aus Syrien, Europa und der arabischen Welt, die nicht tatenlos zusehen konnten. Seit Beginn der friedlichen Revolution stehen wir an der Seite der syrischen Bevölkerung, und nach dem Sturz der Diktatur sind wir mit den Familien nach Syrien zurückgekehrt. Heute gilt es, das zerstörte Land wieder aufzubauen und den Frieden zu gewinnen.

Wer wir sind

Für uns ist Syrien mehr als ein Land. Syrien ist die Heimat unserer gequälten Menschlichkeit.

Syrien ist die Hoffnung eines Volkes, das sich nach Jahren brutaler Unterdrückung und Krieges seine Freiheit zurückerobert hat. Wir stehen solidarisch an der Seite der syrischen Bevölkerung, seit die friedliche Revolution begann und das Assad-Regime sie brutal niederschlug. Nach der Befreiung Syriens von dieser Diktatur sind wir mit den Menschen, denen wir in den Flüchtlingslagern im Libanon zur Seite standen, zurückgekehrt, um ein zerstörtes Land wieder aufzubauen.

Wir konnten nicht tatenlos zusehen, wie die Wiege unserer Zivilisation in Trümmer gebombt wurde. Wir konnten nicht wegsehen, als Millionen Syrerinnen und Syrer getötet wurden oder ihre Heimat verlassen mussten. Wir konnten nicht schweigen, als auf die Hoffnungen friedlicher Demonstrierender mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit geantwortet wurde, und nicht gleichgültig bleiben, als Religionsgemeinschaften gegeneinander aufgehetzt wurden, damit einige wenige an der Macht bleiben konnten.

Wir sind einfache Bürgerinnen und Bürger aus Syrien, Europa und verschiedenen arabischen Ländern, die sich zum Handeln gedrängt fühlten. Als echter Ausdruck der entstehenden Zivilgesellschaft auf beiden Seiten des Mittelmeers vereinen wir Muslime, Christen, Juden und andere in einem gemeinsamen Anliegen: solidarisch an der Seite der syrischen Bevölkerung zu stehen und der Welt eine Botschaft der Hoffnung zu senden.

Frieden schaffen heißt, Neugier, Aufmerksamkeit und Offenheit für das Andere zu haben.“

Pater Paolo Dall’Oglio

Unsere Geschichte

Mehr als ein Jahrzehnt an derselben Grenze, durch Krieg, Vertreibung, Krise und Rückkehr.

  1. 2012

    Vorbereitungen im Libanon

    Wir beginnen, unsere Arbeit im Libanon vorzubereiten, und halten unsere Gründungsversammlung in Brüssel ab. Hilfslieferungen, das Friedenszentrum und die rechtliche Anerkennung folgen 2013.

  2. 2013

    Gründung in Brüssel

    Freunde aus Syrien, Europa und der arabischen Welt gründen am 2. Januar 2013 „Relief & Reconciliation for Syria“. Im Dezember erkennt Belgien den Verein per Königlichem Erlass an.

    Weiterlesen
  3. 2013

    Das erste Friedenszentrum

    Im Juli eröffnet das Friedenszentrum in Bkarzla im Gouvernement Akkar im Libanon, 12 km von der syrischen Grenze entfernt. Seitdem findet dort täglich Unterricht statt.

    Weiterlesen
  4. 2017

    Ein neuer Name

    Banken blockierten Zahlungen wegen des Wortes „Syria“ in unserem Namen. Die Generalversammlung benennt den Verein in Relief & Reconciliation International um.

    Weiterlesen
  5. 2022

    Eine Charta der Kinderrechte

    80 Jugendleiterinnen und Jugendleiter aus verschiedenen Gemeinschaften befragten mehr als 800 Kinder in Akkar und verabschiedeten gemeinsam, mit Unterstützung religiöser Würdenträger, eine Charta der Kinderrechte.

    Weiterlesen
  6. 2023

    Bleiben im Zusammenbruch

    Die Wirtschaft des Libanon ist zusammengebrochen. Eine Lehrerin, die drei Jahre zuvor 1.500 € im Monat verdiente, verdient jetzt 30 €. Unser Unterricht geht weiter, und 83 unserer Schülerinnen und Schüler bereiten sich auf ihre Abschlussprüfungen vor.

    Weiterlesen
  7. 2024

    Der Krieg kehrt in den Libanon zurück

    Vom ersten Kriegstag an öffnen wir das Friedenszentrum und unsere anderen Lernzentren für Familien, die aus dem Süden fliehen. Pfadfindergruppen unter der Leitung unserer Jugendleiter kümmern sich um vertriebene Kinder.

    Weiterlesen
  8. 2025

    Von der Flucht zur Rückkehr

    Nach dem Sturz des Assad-Regimes kehren viele Familien, die wir im Libanon begleitet haben, nach Hause zurück. Das Friedenszentrum im Libanon zieht nach Qantara um, und unsere syrische Sektion wird gegründet.

    Weiterlesen
  9. 2026

    Ein Friedenszentrum in Syrien

    Im Januar eröffnet das Friedenszentrum Kadesh bei Qusayr. Im Juni kommen mehr als 100 Kinder, während im Libanon weiterhin rund 400 jeden Tag bei uns lernen.

    Weiterlesen

Unser Gründer

Friedrich Bokern

Friedrich Bokern ist der Gründungsvorsitzende von „Relief & Reconciliation for Syria AISBL“. 1977 in Cloppenburg geboren, wuchs er im Nordwesten Deutschlands bei seiner Mutter Agnes auf, die ihn schon früh an die Suche nach dem Gemeinwohl heranführte. Als gläubiger Katholik erzogen, begleitete er seine Mutter bereits 1989 beim ersten humanitären Konvoi aus Westdeutschland in die Ukraine, die damals noch zur Sowjetunion gehörte. Seine politische Erweckung, wie er sie nennt, kam jedoch einige Jahre später mit dem Bosnienkrieg. Als Schüler wurde er am Kolleg St. Thomas der Dominikaner in Vechta, wo er 1997 sein Abitur machte, zum Schülersprecher gewählt. In seiner Heimatstadt und in der Landeshauptstadt organisierte er Schülerproteste und Mahnwachen aus Solidarität mit den Opfern von Srebrenica und anderen Orten, an denen Zivilisten Opfer von völkermörderischem Hass wurden.

Nach seinem Zivildienst im Haus Kreisau in Berlin setzte Friedrich seinen akademischen Weg in Berlin, Lyon und Paris fort und erwarb zwei Masterabschlüsse an Sciences Po Paris und an der Freien Universität Berlin in Politikwissenschaft und Europastudien. Während des Studiums arbeitete er für eine gemeinnützige Organisation in Mostar, Bosnien-Herzegowina. Dort begegnete er auch zum ersten Mal dem Islam und dem Judentum. Die Erfahrung des Bosnienkriegs hat ihn für den Rest seines Lebens geprägt. Er wurde zum überzeugten europäischen Föderalisten und begann, sich für die Verständigung zwischen den Religionen einzusetzen. Diesen Weg verfolgte er nach dem Abschluss auch in seiner politischen Arbeit, zunächst als Büroleiter eines Bundestagsabgeordneten und später in Forschungsprojekten zur europäischen Integration und zur Konflikttransformation, die ihn in die Pariser Vorstädte, nach Brüssel und in die arabische Welt führten.

2007 begann Friedrich an Sciences Po Paris mit Lehrveranstaltungen und weiterführender Forschung zum Verhältnis von Religion und Politik im Bereich der Konfliktforschung. Nach vielen Jahren als Mitglied der Vereinigung „Fraternité d'Abraham“ in Paris beschloss er, ein Forschungssemester in Damaskus, Syrien, zu verbringen, um Arabisch zu lernen und eine Doktorarbeit vorzubereiten, die er nie abschloss. Die acht Monate in Syrien wurden zum Ort einer weiteren entscheidenden Begegnung. 2008 traf er Pater Paolo Dall'Oglio in Deir Mar Musa, dem alten Kloster in der syrischen Wüste, das Paolo als Ort der interreligiösen Begegnung und der abrahamitischen Gastfreundschaft wiederbegründet hatte. Auch wenn Friedrich nach Europa zurückkehren musste, um seine Lehre und sein Studium fortzusetzen, war diese Begegnung entscheidend für alles, was folgte.

Friedrich blieb an der Schnittstelle von Politik und Religion tätig, mit weiteren Forschungsprojekten, die ihn zurück in den Libanon und nach Bosnien-Herzegowina führten, und mit einer neuen Aufgabe im Deutschen Bundestag, wo er den Vorsitzenden des Europaausschusses unterstützte. Bevor er seine Doktorarbeit zum Thema Islam in Europa endlich niederschreiben konnte, wurde er als Berater des neuen Präsidenten des Europäischen Parlaments berufen, des früheren polnischen Ministerpräsidenten Jerzy Buzek. Er blieb von 2010 bis zum Ende von dessen Amtszeit 2012 bei ihm. In diesen Jahren ließen ihn der Beginn des Arabischen Frühlings und der Ausbruch der syrischen Revolution nicht gleichgültig. Statt lebenslang Beamter im Europäischen Parlament zu werden, beschloss er, in die Region zurückzukehren, zunächst 2012 als wissenschaftlicher Beobachter der ersten freien Wahlen in Ägypten.

In Kairo entstand die Idee zu Relief & Reconciliation. Ein befreundeter Journalist aus Beirut drängte Friedrich zum Handeln. In diesem Moment wurde auch Pater Paolo Dall'Oglio vom Assad-Regime aus Syrien ausgewiesen. Die beiden Männer kamen zusammen, zuerst über Skype und später in Bozen, Italien, wo sie beschlossen, einen neuen Verein zu gründen, der Konflikttransformation und humanitäre Hilfe als Antwort auf Unterdrückung und Krieg in Syrien verbindet. R&R Syria entstand im Oktober 2012 bei einer ersten Gründungsversammlung in Brüssel, wurde am 2. Januar 2013 rechtlich gegründet und am 18. Dezember 2013 durch Königlichen Erlass anerkannt. In dem Jahr bis zu seinem erzwungenen Verschwinden am 29. Juli 2013 in Rakka organisierten Pater Paolo und Friedrich ein Dutzend Konferenzen in Beirut, Berlin, Brüssel und Paris und nahmen an Treffen der syrischen Opposition in Istanbul, Paris und Kairo teil.

Seitdem leitet Friedrich unsere Arbeit im Libanon und in Syrien. Wie andere Freiwillige aus aller Welt lebt er unter einfachen Bedingungen im R&R-Friedenszentrum im Gouvernement Akkar im Libanon, ohne Gehalt oder Honorar. Seine privaten Ausgaben deckt er mit gelegentlichen Beratungsaufträgen zu EU-Themen oder mit akademischen Vorträgen.

Qantara · Akkar, Nordlibanon

Unser Team im Libanon

Unter der Leitung unseres Gründers und Vorsitzenden Friedrich Bokern besteht das Team im Friedenszentrum im Norden des Libanon aus einigen festen Mitarbeitenden, mehr als 20 einheimischen Lehrkräften und vielen Freiwilligen aus dem Libanon, aus Syrien und aus aller Welt. Die meisten unserer Mitarbeitenden unterrichten täglich bedürftige syrische und libanesische Kinder.

Unsere internationalen Freiwilligen im Friedenszentrum arbeiten mit ihnen zusammen, um für die Jugend aller Gemeinschaften da zu sein.

Jugendliche im neuen Friedenszentrum in Qantara
Jugendliche im neuen Friedenszentrum in Qantara

Kadesh · Gouvernement Homs, Syrien

Unser Team in Syrien

Einer unserer früheren Lehrer in den Flüchtlingslagern des Libanon wurde zum Vorsitzenden der neuen syrischen Sektion unserer Organisation gewählt, die 2025 nach dem Sturz des Assad-Regimes gegründet wurde. Mohammed Talal Al-Muhbani leitet das Team im Friedenszentrum in Kadesh bei Qusayr im Gouvernement Homs.

Seit Januar 2026 findet im neuen Friedenszentrum in Syrien täglich Unterricht statt. Die internationalen Freiwilligen für diese sensible Arbeit werden unter denjenigen ausgewählt, die bereits im Libanon mit uns gearbeitet haben.

Der erste Unterricht im Friedenszentrum in Kadesh
Der erste Unterricht im Friedenszentrum in Kadesh

Unser Vorstand

Unsere Arbeit wird von einem internationalen Vorstand kontrolliert, der aus den Reihen unserer stimmberechtigten Mitglieder für eine Amtszeit von zwei Jahren gewählt wird.

Von Anfang an gehörten unserem Vorstand Muslime, Christen und Säkulare von beiden Seiten des Mittelmeers an. Unter unseren Vorstandsmitgliedern sind Syrer, Libanesen, Belgier, Franzosen, Deutsche und US-Amerikaner, die umfangreiche Erfahrung in Konflikttransformation und humanitärer Hilfe vereinen.

Den Vorstand kennenlernen

Werden Sie Teil unseres Teams

Internationale Freiwillige leben mit unseren Teams vor Ort zusammen und teilen den Alltag in den Friedenszentren. Erfahren Sie, für welche Aufgaben wir derzeit Freiwillige suchen.

Freiwillig mitarbeiten