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Ein neues Kapitel im Libanon

Gastfreundschaft und Bildung im neuen Friedenszentrum

Sonnige Veranda des neuen Friedenszentrums in Qantara mit Holzhockern und Blick auf bewaldete Hügel

Nach dreizehn Jahren in Bkarzla konnte der Umzug unseres wichtigsten Friedenszentrums keine einfache Entscheidung sein. Der Gedanke, das Friedenszentrum von R&R nach Qantara zu verlegen, reifte schon seit einiger Zeit – Qantara war bei der Gründung von R&R im Jahr 2013 sogar die erste Wahl unserer Gründer gewesen, doch ein geeigneter Ort ließ sich dort nur schwer finden. Und dann waren wir in Bkarzla sehr glücklich – einem der wenigen maronitischen Dörfer in der Region Akkar, die syrischen Geflüchteten Unterkunft und Arbeit gegeben hatten. Als wir aber erfuhren, dass die öffentliche Schule in Qantara leer stand und ebenso das alte Haus gegenüber, begannen wir, über den Umzug nachzudenken.

Der sich abzeichnende Sturz des Assad-Regimes Ende 2024 beschleunigte unsere Überlegungen: Wir mussten die langfristige Präsenz von R&R in Akkar im Licht der wahrscheinlichen Rückkehr vieler Syrerinnen und Syrer in ihre Heimat neu bedenken. Am 7. Dezember 2024, einen Tag vor der Befreiung Syriens, unterzeichneten wir einen Mietvertrag über zehn Jahre für das neue Haus, mit einer erheblichen Ersparnis gegenüber unserer bisherigen Vereinbarung. Was eine ferne Möglichkeit gewesen war, wurde plötzlich Wirklichkeit. Der Umzug hatte praktische und finanzielle Gründe, aber auch die tiefere Überzeugung, dass unsere Präsenz in Akkar nicht vorübergehend ist. Seit mehr als zehn Jahren sind wir für libanesische und syrische Kinder da, und wir wollen das noch viele Jahre lang bleiben.

Lesen Sie unten mehr über unser neues Friedenszentrum und besuchen Sie uns! Unser Haus ist ein Ort der Gastfreundschaft, und Bewerbungen von Freiwilligen nehmen wir das ganze Jahr über an.

Ein Ort geistlicher Solidarität und des Lernens

Hunderte Kinder erfüllen das neue Friedenszentrum jeden Tag mit Leben. Inklusion bleibt ein Leitprinzip unserer Arbeit. Das Friedenszentrum heißt Libanesen, Syrer und andere willkommen, Muslime wie Christen, ebenso Kinder mit Behinderungen und Lernschwierigkeiten. In vielen Teilen Akkars bleiben Bildungsangebote für Kinder mit besonderem Förderbedarf wegen der Entfernung oder der Kosten unerreichbar. Familien in Qantara baten uns, neben der regulären Hausaufgabenhilfe, den Grundkursen in Lesen, Schreiben und Rechnen und den IT-Kursen auch Klassen für Kinder mit Behinderungen zu eröffnen, und wir sind ihrem Wunsch gefolgt. Wir hatten das Glück, im Dorf eine qualifizierte Kinderpsychologin zu finden, die zu unserem Team gestoßen ist. Jedes Kind verdient Zugang zu Bildung, Ermutigung und einen Ort, an dem sein Potenzial erkannt wird. Unser Ziel ist nicht nur zu unterrichten, sondern dafür zu sorgen, dass niemand zurückbleibt.

Unsere Bildungsarbeit geht über die schulische Unterstützung hinaus, denn wir wissen, dass Lernen sich nicht auf Schulbücher, Klassenzimmer und Prüfungen beschränkt. Wir wollen ein stabiles Umfeld schaffen, in dem junge Menschen lernen, wachsen und nach Jahren wirtschaftlicher Not, Vertreibung und Unsicherheit wieder Selbstvertrauen finden können. Jeden Freitag übernehmen unsere Jugendleiterinnen und Jugendleiter alle unsere Lernzentren für die legendären „Friday Fun“-Nachmittage ihrer Pfadfindergruppen. Chorproben, Kunstworkshops, Spiele und Jugendaktivitäten verwandeln unsere Zentren in Orte voller Lachen und Energie. Die ersten Treffen der Jugendleiter in Qantara brachten junge Menschen aus allen unseren Zentren zusammen.

Grüne Hügel und Olivenhaine in Akkar, am Horizont schneebedeckte Berge

Qantara, ein Dorf des Zusammenlebens

Qantara steht für vieles, wofür sich Relief & Reconciliation seit seiner Gründung einsetzt. In diesem gemischten Dorf leben muslimische und christliche Familien im Alltag zusammen, nicht als abstraktes Projekt, sondern als gelebte Wirklichkeit. Ein kurzer Spaziergang führt Besucher von der Kirche zur Moschee, vorbei an Nachbarn, die einander mit Namen grüßen. Olivenhaine umgeben das Dorf, und der nahe Fluss verbindet Qantara mit Bkarzla – und damit unsere Zukunft mit unserer Vergangenheit. Von Anfang an hofften wir, unser Friedenszentrum an einem Ort zu errichten, an dem das Zusammenleben bereits Teil der örtlichen Kultur ist. Genau diese Gelegenheit bot Qantara, im Mittelpunkt unseres Netzes von Bildungseinrichtungen gelegen, das bis nach Kousha, Tell Abass, Rahbe und Michmich reicht.

Das Friedenszentrum ist auch das Zuhause unserer internationalen Freiwilligen. Friedrich, Masaki, Samir, Ella, Shai, Mohanad und Callum, die aus allen Teilen der Welt stammen, gehören zu denen, die ihre Zeit, ihre Talente und ihre Sichtweisen in den Alltag von Qantara eingebracht haben – und sie reihen sich ein in die Hunderte von Freiwilligen, die in den letzten zwölf Jahren im alten Friedenszentrum in Bkarzla gelebt und gearbeitet haben. Die Freiwilligen kommen aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichem Hintergrund und werden doch schnell Teil eines gemeinsamen Rhythmus aus Unterricht, gemeinsamen Mahlzeiten, neuen Projekten und Aktivitäten und dem Engagement in der Gemeinschaft. Internationale Freiwillige sind ein wesentlicher Teil unserer Arbeit: Sie bewegen sich zwischen den verschiedenen Lernzentren und Gemeinschaften und öffnen Fenster der Verständigung.

Karte des Nordlibanon mit dem neuen Friedenszentrum und den Lernzentren von R&R in Kousha, Tal Abbas, Rahbe und Michmich

Zwölf Jahre kontinuierlicher Einsatz in Akkar

Der Wechsel nach Qantara verlangte Anpassung. Neue Lehrkräfte kamen ins Team, ein neues Mitglied stieß zur Leitung, neue Schülerinnen und Schüler meldeten sich an, und neue Abläufe entstanden. Bei all diesen Veränderungen blieb unser Einsatz für die Menschen der Region Akkar derselbe. Im Erdgeschoss unseres früheren Friedenszentrums unterrichten wir weiterhin Schülerinnen und Schüler in Bkarzla, und alle unsere Lernzentren sind mit täglichem Unterricht, psychosozialer Unterstützung und Pfadfindergruppen weiter in Betrieb. Unser Hauptsitz ist umgezogen, unsere Mission ist dieselbe geblieben. Christen, Muslime und Menschen anderer Überzeugungen vereint: Wir bringen Menschen zusammen, um eine bessere Zukunft für die Jugend aufzubauen.

Nichts davon wäre möglich gewesen ohne die Großzügigkeit der Mitglieder, Freiwilligen und Spender von R&R, die an das Projekt geglaubt haben. Spenden haben geholfen, die neuen Räume zu sichern, Klassenzimmer einzurichten, Bildungsaktivitäten zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass die Angebote für bedürftige Familien erreichbar bleiben. Jeder Beitrag, ob groß oder klein, hat dazu beigetragen, aus leeren Gebäuden einen lebendigen Ort für Kinder und Jugendliche zu machen. Die Geschichte von Qantara ist darum nicht nur unsere Geschichte; sie gehört allen, die dazu beigetragen haben, sie möglich zu machen.

Danke für Ihre Unterstützung

Während wir uns in diesem neuen Kapitel einrichten, laden wir Unterstützer, künftige Freiwillige und Besucher ein, Qantara selbst zu entdecken. Gehen Sie durch das Dorf, lernen Sie die Familien kennen, besuchen Sie die Klassenzimmer und erleben Sie die Gastfreundschaft, die diesen Ort prägt. Unsere Wurzeln in Akkar werden immer tiefer, und unser Einsatz für Bildung, spirituelle Solidarität und Dienst am Nächsten ist so stark wie eh und je. Ob als Freiwillige, als Spender oder als Besucher: In dieser Geschichte ist ein Platz für Sie.

Wie kann ich spenden?

Wie kann ich mich im Libanon oder in Syrien als Freiwillige oder Freiwilliger engagieren?

Nachtrag Mai 2026: Video vom Ende des ersten Ramadans im neuen Friedenszentrum Qantara, beim Fest zum Ende des Fastens mit den Jugendleitern von R&R

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