
Relief & Reconciliation
Die Friedenszentren
Unsere Friedenszentren sind Herz und Seele von Relief & Reconciliation. Sie sind offene Häuser für junge Menschen aller Gemeinschaften im Grenzland zwischen dem Libanon und Syrien, Lernorte für syrische und libanesische Kinder, Zuhause unserer internationalen Freiwilligen und die Grundlage unserer gesamten Arbeit.
Wo wir arbeiten
Unsere beiden Friedenszentren liegen zu beiden Seiten der Grenze zwischen Libanon und Syrien, nur rund 35 km Luftlinie voneinander entfernt, in einer Region, in der Sunniten, Christen und Alawiten seit Jahrhunderten Seite an Seite leben. Von Brüssel aus sind es rund 3.100 km.
- Friedenszentrum AkkarQantara · seit 2013
- Friedenszentrum KadeshTell Nabi Mendo · seit 2026
- Beirut
- Tripoli
- Homs
- Hama
- Damaskus
- Libanon
- Syrien
- Mittelmeer
- Orontes
Qantara · Akkar, Nordlibanon · Seit 2013
Das Friedenszentrum im Libanon
Unser erstes Friedenszentrum öffnete im Juli 2013 in Bkarzla, einem maronitischen Dorf 12 km von der syrischen Grenze, das syrischen Flüchtlingen Zuflucht und Arbeit gegeben hatte. Zwölf Jahre lang waren wir dort glücklich. Als sich viele Familien auf die Rückkehr nach Syrien vorbereiteten, zogen wir in das Nachbardorf Qantara, wo die öffentliche Schule und das alte Haus gegenüber leer standen. Der Umzug hatte praktische Gründe, er drückte aber auch eine Überzeugung aus: Unsere Präsenz in Akkar ist nicht vorübergehend.
Das Friedenszentrum ist mehr als ein Gästehaus. Die internationalen Freiwilligen, die dort leben, bilden eine eigene kleine Gemeinschaft, offen für alle, die versucht, spirituelle Solidarität im Alltag zu leben. Sie leben nicht nur in Vielfalt, sie teilen sie auch und entdecken die abrahamitische Gastfreundschaft, die diese Region seit Jahrhunderten prägt, besonders in ihren armen Dörfern. Praktizierende Muslime, Christen, Juden, Buddhisten und Hindus haben mit uns gelebt und gearbeitet, ebenso Atheisten, Agnostiker und Menschen anderer Überzeugungen.
Kinder und Jugendliche aller Konfessionen, Libanesen und Syrer, kommen ins Friedenszentrum, um am Unterricht teilzunehmen und psychosoziale und materielle Unterstützung zu erhalten. Wir haben einen sicheren Ort in der Natur gewählt, damit vom Krieg gezeichnete Kinder Raum zum Durchatmen haben.
Im Lauf der Jahre haben wir an weiteren Orten in Akkar, die die Vielfalt der Region widerspiegeln, Camp-Schulen und Lernzentren eröffnet, teils als feste, von R&R gemietete Zweigstellen, teils als Gäste lokaler Vereine. Im Durchschnitt unterrichten wir in fünf Lernzentren. Unsere Lehrkräfte vor Ort und unsere internationalen Freiwilligen haben jeden Tag unterrichtet, ohne einen einzigen Schultag ausfallen zu lassen, auch in Zeiten von Krise und Krieg. Wir haben außerdem Nothilfe an neu ankommende Flüchtlinge verteilt und helfen weiterhin, wo die Not am größten ist.






Das Grenzland, ein Ort der Gastfreundschaft
Akkar ist die ärmste Region des Libanon und hat im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Flüchtlinge aufgenommen. Auf dem Höhepunkt des Krieges kam fast ein Flüchtling auf jeden Einheimischen. Die Armen nahmen die Ärmsten auf. Sunniten, Christen und Alawiten leben hier Seite an Seite, und seit Generationen reichen Familienbande über die syrische Grenze. Die heilige Gastfreundschaft ist noch immer selbstverständlich: Wer durch diese Hügel wandert, wird zu Kaffee oder Tee eingeladen.
Als wir 2013 nach Akkar kamen, wurde die Region von konfessionellen Kämpfen zwischen sunnitischen und alawitischen Dörfern erschüttert, je nachdem, auf welcher Seite des syrischen Krieges sie standen. Auch manche Christen wurden hineingezogen, je nach Zugehörigkeit ihrer Partei. Den Standort unseres ersten Friedenszentrums haben wir gemeinsam mit einem regionalen Lenkungsausschuss aus moralischen Autoritäten aller Gemeinschaften ausgewählt. Heute ist der zivile Frieden zurückgekehrt, auch dank der religiösen Würdenträger, die sich jeden Monat treffen, seit unser Lenkungsausschuss sie 2013 zum ersten Mal eingeladen hat.

Die Ibrahimic Youth
Junge Menschen, die Verantwortung tragen
Aus unseren Schülerinnen und Schülern ist in dreizehn Jahren eine eigene Jugendbewegung entstanden. Mehr als 500 Kinder und Jugendliche, Muslime und Christen, Libanesen und Syrer, bilden die Ibrahimic Youth, eine interreligiöse Pfadfinderbewegung. Jugendleiterinnen und Jugendleiter zwischen 15 und 21 Jahren kümmern sich um die Jüngeren, Woche für Woche und im Sommercamp in den Bergen, das seit 2017 jedes Jahr stattfindet.
2022 befragten 80 Jugendleiterinnen und Jugendleiter mehr als 800 Kinder und schrieben eine Kinderrechtecharta, die gemeinsam mit den religiösen Würdenträgern von Akkar verabschiedet wurde. 2025 interviewten sie die Familien von 703 Kindern für unsere jährliche Evaluation. In Syrien haben uns viele unserer ehemaligen Schülerinnen und Schüler gebeten, dort dieselbe Bewegung aufzubauen. Ein erstes Camp in Syrien mit einem Dutzend neuer Jugendleiterinnen und Jugendleiter war für den Sommer 2026 geplant.
Beyond discrimination, they’re building the basis of a reconciled future for the generation of tomorrow.Über alle Diskriminierung hinweg legen sie die Grundlage für eine versöhnte Zukunft der Generation von morgen.
Kadesh · Gouvernement Homs, Syrien · Seit 2026
Das Friedenszentrum in Syrien
Nach mehr als einem Jahrzehnt Krieg hat das syrische Volk sein Land von der Diktatur befreit, doch das Assad-Regime hat ein Trümmerfeld hinterlassen. Die größte Flüchtlingskrise dieses Jahrhunderts geht zu Ende. 2025 sind wir mit den Familien, die wir seit 2013 im Nordlibanon und mit unserer grenzüberschreitenden Hilfe begleitet hatten, nach Syrien zurückgekehrt. Im Dezember 2025 haben wir den syrischen Zweig unserer Organisation gegründet und Räume in Tell Nabi Mendo gemietet, der antiken Stadt Kadesh am Orontes.
Das Friedenszentrum Kadesh hat Anfang 2026 seine Türen geöffnet. Drei unserer sieben Lehrkräfte vor Ort haben schon im Libanon mit uns gearbeitet; die anderen haben in den Trümmern des Krieges überlebt oder sind aus der Vertreibung innerhalb Syriens zurückgekehrt. Wie auf der libanesischen Seite ist die Region seit Jahrhunderten gemischt: Eine sunnitische Mehrheit lebt dort mit Christen, Alawiten und anderen Gemeinschaften zusammen.
Die Familien, die zurückkehren, stehen vor enormen Herausforderungen. 85 % der Häuser in der Gegend von Qusayr sind unbewohnbar, es gibt kaum Einkommen, und der Wiederaufbau hat kaum begonnen. Wir bereiten das Zentrum nun so vor, dass auch hier internationale Freiwillige zum Team stoßen können.



In einem Friedenszentrum leben und arbeiten
Internationale Freiwillige leben mit unseren Teams vor Ort und teilen den Alltag der Zentren. Niemand wird besser bezahlt als die einheimischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Freiwillig mitarbeiten