Bildung
Täglicher Unterricht, Grundbildung in Lesen, Schreiben und Rechnen, Sprachkurse, die den Weg in die öffentlichen Schulen ebnen, und Berufsausbildung. Lebenskompetenzen wie gewaltfreies Handeln und Computerkurse gehören zu jedem Kurs.

Relief & Reconciliation
An der humanitären Frontlinie verbinden wir Konflikttransformation mit praktischer Hilfe. Wir bringen Gemeinschaften, die auseinandergetrieben wurden, für ein gemeinsames Anliegen zusammen, eine bessere Zukunft für die Jugend.
Dieser Ansatz der „Diapraxis“, also der gelebten Solidarität, geht über die herkömmlichen Formen von Dialog und Diplomatie hinaus. Er beruht auf drei Einsichten.
Das soziale Gefüge einer Gesellschaft kann keine Regierung und keine Militärmacht wiederherstellen, sondern nur die Betroffenen vor Ort. Wir arbeiten dort, wo Spannungen oder offene Gewalt das friedliche Zusammenleben beschädigt haben.
Die Zersetzung einer Gesellschaft durch den Krieg kann nur von ihren eigenen moralischen Kräften überwunden werden, im Gleichgewicht zwischen Gerechtigkeit und Frieden, Wahrheit und Barmherzigkeit. Wir beziehen diejenigen ein, die moralische Autorität genießen, religiöse Würdenträger und andere Stimmen der Zivilgesellschaft.
Vertrauen wächst mehr durch Taten als durch Worte. Moralische Autoritäten bilden einen lokalen Lenkungsausschuss um ein greifbares Anliegen, ein Friedenszentrum, in dem sich junge Menschen aller Gemeinschaften begegnen.
In unseren Friedenszentren bieten erfahrene Lehrkräfte, Freiwillige und Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter Kurse, Kompetenztrainings, Aktivitäten und materielle Unterstützung an. Frieden ist das übergeordnete Ziel, getragen von drei Programmlinien.
Jedes Friedenszentrum hat einen Lenkungsausschuss aus moralischen Autoritäten aller lokalen Gemeinschaften, in dem religiöse Würdenträger eine herausgehobene Rolle spielen. Der Ausschuss entscheidet mit uns im Konsens über die grundsätzliche Ausrichtung unserer Arbeit.
Täglicher Unterricht, Grundbildung in Lesen, Schreiben und Rechnen, Sprachkurse, die den Weg in die öffentlichen Schulen ebnen, und Berufsausbildung. Lebenskompetenzen wie gewaltfreies Handeln und Computerkurse gehören zu jedem Kurs.
Besuche bei den Familien, jede Woche Freizeit-, Kultur- und Sportaktivitäten, Workshops mit Projektfreiwilligen und das Sommercamp in den Bergen, das die Jugend verschiedener Gemeinschaften zusammenbringt.
Materielle Hilfe für die Familien in der dringendsten Not, dort, wo große Hilfsprogramme Lücken lassen. Lebensmittelpakete bei Bedarf, Medikamente für Gesundheitsstationen und Hilfe in individuellen Notlagen.
Unsere Hilfe richtet sich nicht nach Geschlecht, Nationalität, Rasse, Religion, sexueller Orientierung oder politischer Überzeugung. Sie richtet sich allein nach der Bedürftigkeit und nach dem Recht jedes Menschen in Not auf Solidarität und Hilfe.
Wir gehören keiner Regierung und keiner Partei an. Wir bleiben neutral, um den Dialog zu erleichtern, scheuen uns aber nicht, Verletzungen grundlegender Menschenrechte anzuprangern.
Unser erstes Friedenszentrum öffnete Anfang Juli 2013 im Gouvernement Akkar im Libanon, 12 km von der syrischen Grenze entfernt. Wir haben auch lebensrettende Hilfe und Bildung in Syrien selbst unterstützt, doch die Anwesenheit internationaler Freiwilliger in unserem wichtigsten Friedenszentrum war für unseren Ansatz immer zentral. Sie öffnet Fenster der Verständigung zwischen Menschen, die sich sonst kaum begegnen würden.
Nach zwölf Jahren im Dorf Bkarzla ist das Friedenszentrum 2025 in das Nachbardorf Qantara umgezogen, in ein altes Haus und die frühere Dorfschule, bei deutlich niedrigerer Miete. Das hat es auch möglich gemacht, ein zweites Friedenszentrum in Syrien zu eröffnen, in Tell Nabi Mendo, der antiken Stadt Kadesh bei Qusayr, woher die meisten der Flüchtlinge stammen, die wir im Libanon begleitet haben.




2011 begannen Syrerinnen und Syrer, friedlich für Menschenwürde und Wandel zu demonstrieren. Die gewaltsame Unterdrückung der Bewegung hat Syrien in Brand gesetzt. Mehr als 500.000 Menschen wurden getötet, mehr als 13 Millionen vertrieben, mehr als 7 Millionen sind ins Ausland geflohen. Der Einsatz chemischer Waffen kam noch zu den täglichen Luft- und Raketenangriffen auf zivile Ziele hinzu, die vor allem vom Assad-Regime und seinen Verbündeten verübt wurden.
Das einzigartige Mosaik der religiösen Gemeinschaften Syriens ist in diesem Übermaß an Brutalität in Gefahr geraten. Die syrische Revolution war nie auf eine bestimmte Glaubensgemeinschaft beschränkt. Christen und Alawiten gehörten von Anfang an zu ihren Anführern.
Die Zugehörigkeit zu einer religiösen Minderheit wurde jedoch von verschiedenen Akteuren genutzt, um die Reihen zu schließen, Angst vor „dem anderen“ zu säen und unsägliche Verbrechen zu rechtfertigen. Das Aufkommen der Organisation Islamischer Staat, auch bekannt als ISIS oder „Daesch“, stützte die falsche Behauptung des Assad-Regimes, „Beschützer der Minderheiten“ zu sein – eine Behauptung, der seine eigene Strategie widersprach, politischen Extremismus und konfessionelle Massaker überhaupt erst zu fördern.
Mehr als 13 Jahre Krieg haben ein Land in Trümmern hinterlassen. Es wird gewaltige Anstrengungen kosten, Syrien wieder aufzubauen und das Vertrauen zwischen den verschiedenen Gemeinschaften der Zugehörigkeit und der Überzeugung wiederherzustellen.

Der Sturz des Assad-Regimes am 8. Dezember 2024 war ein großes Zeichen der Hoffnung für das syrische Volk und für die Welt. Rebellengruppen mit einer stark islamischen Identität haben eine entscheidende Rolle für den endgültigen Erfolg der Revolution gespielt, doch die Übergangsbehörden haben erklärt, das neue Syrien solle allen Syrerinnen und Syrern gehören.
Unsere Organisation arbeitet seit 2013 in Solidarität mit dem syrischen Volk und hofft, den Wiederaufbau Syriens in Gerechtigkeit und Frieden zu unterstützen. Wir unterstützen diejenigen, die das Land wieder vereinen und die traumatischen Erfahrungen in den Herzen der Jugend heilen wollen, in Syrien selbst und in den Nachbarländern, die vom Krieg betroffen sind.
Als friedensfördernde Initiative sind wir politisch neutral und gehören keiner Regierung oder Partei an, aber in unseren Werten sind wir nicht neutral. Wir setzen uns für ein freies und inklusives Syrien ein, das auf Demokratie und Menschenrechten beruht. Wer diese Werte verletzt, kann nicht unser Kooperationspartner sein. Wir wollen auf bestehenden Initiativen für interreligiöse Solidarität aufbauen, etwa Adyan im Libanon, Deir Mar Musa in Syrien oder dem Weltrat der Religionen für den Frieden.
In einem einstimmigen und verbindlichen Beschluss unseres Vorstands haben wir die folgenden Werte und Grundsätze als Grundlage unserer Arbeit angenommen. Jedes Mitglied und jeder Mitarbeiter unserer Organisation bekennt sich zu ihnen.
1) Achtung der Menschenwürde
Wir glauben, dass die Würde jedes Menschen unantastbar ist. Jeder einzelne Mensch soll als von Natur aus wertvolles Mitglied der menschlichen Gemeinschaft und als einzigartiger Ausdruck des Lebens anerkannt werden. Die Unversehrtheit des Lebens und das Recht auf eine respektvolle und ethische Behandlung sind unverletzlich. Kein Mensch kann diese Würde jemals verlieren; alle sollen unter allen Umständen menschlich behandelt werden, indem Leben gerettet und Leid gelindert wird.
2) Achtung der Freiheit und der Menschenrechte
Wir glauben, dass alle Menschen Freiheit in der Ausübung ihrer unverletzlichen und unveräußerlichen Grundrechte genießen sollen. Männer wie Frauen jeden Alters und aller Nationen sind frei und gleich an Rechten geboren. Die Achtung ihrer Grundrechte ist ein Grundstein für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt. Wir stützen unsere Arbeit auf diese Rechte, wie sie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und in der Europäischen Menschenrechtskonvention festgelegt sind.
3) Achtung der Spiritualität
Wir betonen die Freiheit jedes Einzelnen und jeder Gemeinschaft, Religion oder Weltanschauung durch Ausübung, Unterricht, Bräuche und Gottesdienst zu bekunden. Niemand darf jemals gezwungen werden, gegen seine religiösen Überzeugungen oder ethischen Grundsätze zu handeln. Jeder hat das Recht, die Teilnahme an jeder Handlung oder jedem Verfahren zu verweigern, die seinem Gewissen widersprechen. Auch wenn wir keine Religion oder Weltanschauung vertreten oder bevorzugen, werden wir alles tun, um allen Menschen, die ihre Religion ausüben möchten, dies zu ermöglichen, solange sie die Freiheit anderer nicht verletzen oder beeinträchtigen.
4) Achtung der Vielfalt
Wir verstehen Vielfalt als einen Begriff, der Akzeptanz und Respekt umfasst. Er bedeutet zu verstehen, dass jeder Mensch einzigartig ist, und unsere individuellen Unterschiede anzuerkennen. Es geht darum, einander zu verstehen und über bloße Toleranz hinaus die reichen Dimensionen der Vielfalt anzunehmen, die in jedem Einzelnen und in jeder Gesellschaft liegen. Vielfalt ist Ausdruck der Freiheit, die jeder Mensch genießt. Wir suchen nach der gemeinsamen moralischen Grundlage einer Gesellschaft, in der Vielfalt mehr ist als bloßes Nebeneinander.
5) Individualität und Gemeinschaft
Wir wollen das richtige Gleichgewicht zwischen Individualität und Gemeinschaft finden. Achtung der Individualität bedeutet, dass man frei von Zwang über sein Handeln entscheiden kann, solange dieses Handeln die Freiheit oder das Wohl anderer nicht beeinträchtigt. Wir fühlen uns verpflichtet, Vertraulichkeit, Intimsphäre und Privatsphäre zu schützen. Zugleich glauben wir, dass wir soziale Wesen sind. Gemeinschaft ist mehr als die Summe der Einzelnen; sie ist ein wesentlicher Ausdruck menschlichen Lebens. Wir achten Gemeinschaften und ihr Recht, sich auszudrücken, und wir glauben, dass das Verhältnis zwischen Einzelnem und Gemeinschaft vom Grundsatz der Subsidiarität bestimmt sein sollte: Jede Frage von gemeinsamem Interesse sollte auf der niedrigsten möglichen und der höchsten notwendigen Ebene behandelt werden, beginnend bei der Familie und der örtlichen Gemeinschaft bis hin zur Regierung und zur internationalen Gemeinschaft.
6) Gerechtigkeit und Wahrheit
Wir glauben, dass es keinen Frieden ohne Gerechtigkeit und Wahrheit gibt. Alle Menschen haben das Recht, ihr erlittenes Unrecht auszusprechen und eine gerechte und faire Behandlung zu fordern. Die moralische Verderbnis durch Diktatur und Krieg muss aufgearbeitet werden, um einen dauerhaften Frieden zu erreichen. Es ist nicht unsere Aufgabe, zu richten und Gerechtigkeit durchzusetzen, aber wir werden allen Opfern von Folter und Unrecht besondere Fürsorge zukommen lassen; wir werden versuchen, Tatsachen festzustellen und ihren Stimmen Gehör zu verschaffen. Wir glauben, dass blinde Rache keine Form von Gerechtigkeit ist; Gerechtigkeit kann nur hergestellt werden, wenn der Kreislauf der Rache durchbrochen wird.
7) Vergebung und Barmherzigkeit
Wir glauben, dass Frieden und Wohlergehen nur mit Vergebung und Barmherzigkeit kommen können. Es steht uns nicht zu, im Einzelfall die Kriterien für Begnadigung und Amnestie festzulegen, aber wir werden versuchen, die Werte der Reue, des Opfers und der gegenseitigen Vergebung zu fördern. Der Kreislauf der Rache kann nur durch eine großherzige Geste der Menschlichkeit gegenüber denen durchbrochen werden, die versagt und Schuld auf sich geladen haben. Niemand soll für die Taten seiner Gemeinschaft angeklagt werden, solange er nicht aktiv an der Begehung von Verbrechen beteiligt war.
8) Frieden stiften
Wir verstehen Friedensarbeit als einen moralischen Prozess, der zu Gerechtigkeit und Versöhnung führt. Dafür stützen wir uns auf moralische Voraussetzungen, die keine Regierung und keine Militärmacht erzwingen kann. Dieser Prozess hat religiöse und nichtreligiöse Dimensionen. Gerade in einem Konflikt, der entlang konfessioneller Linien verläuft, ist die Einbindung der Gemeinschaftsoberhäupter für den Frieden entscheidend. Wir wollen diejenigen einbeziehen, die in ihrer jeweiligen Gemeinschaft moralische Autorität genießen. Wir wollen sie zusammenbringen, um Vergeltung und konfessionellen Streit zu vermeiden. Wir wollen sie um eine gemeinsame Sache vereinen: die Zukunft der Jugend, Brücken des Dialogs und der Zusammenarbeit zwischen den Gemeinschaften bauen, ihr erlittenes Unrecht aufgreifen, Vergebung fördern und neue Horizonte eröffnen.
9) Lokale Mitverantwortung
Wir wollen auf lokaler Ebene unter aktiver Beteiligung der örtlichen Gemeinschaften arbeiten. Alle unsere Aktivitäten beruhen auf den Bedürfnissen der möglichen Begünstigten und werden unter der Mitentscheidung eines Lenkungsausschusses durchgeführt, der sich aus lokalen moralischen Autoritäten verschiedener Gemeinschaften zusammensetzt. Unter ihnen spielen religiöse Führungspersönlichkeiten eine herausragende Rolle. Unsere Programme werden im Einvernehmen mit ihnen festgelegt, solange unsere grundlegenden Werte und Grundsätze nicht beeinträchtigt werden.
10) Unabhängigkeit
Als internationale gemeinnützige Vereinigung werden wir unsere Unabhängigkeit wahren und pflegen. Wir werden die Gesetze und Gepflogenheiten der Länder befolgen, in denen wir niedergelassen sind, solange diese nicht gegen die universellen Menschenrechte oder das humanitäre Völkerrecht verstoßen, aber wir werden keine Unterstützung und keine Finanzierung annehmen, die die Ziele, Werte und Regeln gefährden könnte, die wir uns gegeben haben.
11) Rechenschaft
Wir betonen unsere volle Rechenschaftspflicht gegenüber dem Gesetz und gegenüber den Zielen, Werten und Regeln, die wir uns gegeben haben. Alle Spenderinnen und Spender können von uns Rechenschaft über die Verwendung ihres Geldes verlangen. Alle möglichen Begünstigten und lokalen Partner können von uns Rechenschaft über die Einhaltung unserer Werte und Regeln verlangen. Wir legen alle unsere Mittel und deren Verwendung vollständig offen.
12) Politische Neutralität
Als friedensfördernde Initiative sind wir politisch neutral und gehören keiner Regierung oder Partei an, aber in unseren Werten sind wir nicht neutral. Wir versuchen, zu einem freien und inklusiven Frieden beizutragen, der auf Demokratie und Menschenrechten beruht. Für uns selbst haben wir die Grundsätze des gewaltfreien Handelns angenommen, aber wir verurteilen nicht diejenigen, die zur Verteidigung ihrer Freiheit oder ihrer Liebsten kämpfen. Neutralität bedeutet weder Unwissenheit noch Gleichgültigkeit. Wir bleiben neutral in dem Bemühen, den Dialog zwischen den Parteien zu erleichtern, aber wir scheuen uns nicht, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder andere Verletzungen grundlegender Menschenrechte anzuprangern.
13) Unparteilichkeit
Wir betonen unsere Unparteilichkeit bei der Hilfe für Bedürftige. Unsere Hilfe ist unparteiisch und richtet sich nicht nach Nationalität, Rasse, Religion oder politischer Haltung; sie richtet sich allein nach der Bedürftigkeit. Die einzige Bedingung für den Zugang zu unseren Zentren ist die Achtung der Würde und der Rechte anderer und die Annahme unserer Hausordnung.
14) Sorge um die Jugend
Unser besonderes Anliegen ist die Zukunft der Jugend. Wir wollen uns um die Schwächsten kümmern und Kindern und jungen Frauen besonderen Schutz gewähren. Wir wollen in der psychosozialen Hilfe und in der Bildung die besten Standards anwenden, aber bei der Vermittlung von Werten die Vielfalt religiöser Glaubensrichtungen und Überzeugungen achten.
Der größte Teil unserer Arbeit wird durch kleine Einzelspenden finanziert. Besuchen Sie unsere Friedenszentren oder unterstützen Sie die Menschen, die wir begleiten.