Wieder online!
Wir trauten unseren Augen nicht. Letzten Donnerstag wollte unser Team gerade den nächsten Schritt unserer Spendenkampagne gehen. Die neue Broschüre war versandfertig. Und dann: Stromausfall! Ganz plötzlich ging unsere Kampagnenseite auf Indiegogo vom Netz. Alle Spender, die bis dahin mehrere tausend US-Dollar beigetragen hatten, erhielten eine automatische E-Mail, in der stand, ihr Geld sei erstattet worden, „either at your request or at the request of the campaign administrator“. Auch ich erhielt eine solche E-Mail für meine persönliche Spende. Da ich selbst der Administrator der Kampagne bin, war ich ziemlich erstaunt.
Nur eine Stunde zuvor hatte Indiegogo mir eine kurze Mitteilung geschickt, unsere Kampagne sei wegen „unusual activities“ eingefroren worden. Ich versuchte sofort, mich mit meiner E-Mail-Adresse und meinem Passwort anzumelden. Unmöglich! Offenbar hatte jemand mein persönliches Konto gehackt und war dabei, unsere Kampagne zu Fall zu bringen. Das Geld unserer Spender war zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. Bei Indiegogo ist vor dem Ende der Kampagne (noch etwa zwei Wochen) keine Auszahlung möglich. Und selbst dann gibt es mehrere Sicherheitsprüfungen, ob das Bankkonto tatsächlich das richtige ist. Die einzig mögliche Erklärung war ein Angriff aus politischen Gründen.
Doch das war erst der Anfang. Ich konnte mich weder in mein persönliches Konto einloggen noch per E-Mail ein „vergessenes“ Passwort anfordern. Als ich das versuchte, antwortete die Website nur: „We don’t have that email address on file“. Wenn ich jedoch versuchte, mit derselben E-Mail-Adresse ein neues Konto anzulegen, hieß es: „Email has already been taken“. Mit Indiegogo scheint eindeutig etwas nicht zu stimmen. Selbstverständlich haben wir alle sie sofort mit E-Mails bombardiert. In einer ersten Reaktion brachten sie einige seltsame Ausreden vor: Es seien Überprüfungen nötig, um sicherzustellen, dass wir nicht gegen US-Sanktionen gegen Syrien verstoßen.
Lächerlich! Für uns alle klang das nach einer billigen Ausrede. Erst schießen, dann fragen? Nur eine Stunde nach der ersten Warnung über ungewöhnliche Aktivitäten war unsere Kampagne offline und mein Konto gehackt. Entweder wollte Indiegogo ein ernstes Sicherheitsproblem vertuschen (tatsächlich kann man so viele falsche Passwörter für sein Konto ausprobieren, wie man will), oder jemand hat etwas vermasselt. Sie hätten noch mehr als zwei Wochen Zeit gehabt, diese Fragen zu klären – die übrigens alle in unserem Kampagnentext und in meinem persönlichen Konto beantwortet waren. Was die US-Sanktionen angeht, ist offensichtlich, dass sie humanitäre Hilfskampagnen im Libanon nicht betreffen, die klar erklären, dass niemand, der Menschenrechte verletzt, unser Kooperationspartner sein kann. Selbst für Einsätze innerhalb Syriens stellt das US-amerikanische OFAC klar, dass humanitäre Maßnahmen sowie Demokratisierungs- und Menschenrechtsprojekte völlig legal sind (vgl. diese FAQ-Seite des US-Finanzministeriums). Wir haben sehr deutliche Worte gefunden, um Indiegogo diese Punkte darzulegen und um Aufklärung zu bitten, was tatsächlich passiert ist. Am Montagabend kam ihre zweite Antwort, mit einer förmlichen Entschuldigung für die Verwirrung und dem Versprechen, die Sache bis Geschäftsschluss zu klären.
Inzwischen geht dort drüben, im sonnigen Kalifornien, der zweite Geschäftstag zu Ende, aber wir warten immer noch auf die versprochene Aufklärung. Wir werden Sie ganz sicher informieren, sobald sie eingetroffen ist. Zum Glück haben wir nicht tatenlos abgewartet. Ich bin sehr froh, dass unsere neue Kampagnenseite heute online gegangen ist. Natürlich fehlen uns jetzt die schicken Werkzeuge einer Crowdfunding-Seite (wie die hübschen Fortschrittsbalken auf der Startseite), aber dafür sinken unsere Zahlungsgebühren auf die bloßen 3 %, die PayPal für seine Dienste nimmt. Die Sicherheit Ihrer Spenden ist jetzt sogar noch höher, und wir halten Sie jede Woche auf dem Laufenden.
Vielen Dank für Ihre Geduld und Ihr Vertrauen! Wir setzen unsere verzögerte Kampagne fort und hoffen, schnell die 30.000 € zusammenzubekommen, die für die Eröffnung unseres ersten Friedenszentrums im Libanon im Februar 2013 nötig sind.
Alles Gute, Friedrich




