Offizieller Besuch in Akkar

Der deutsche Botschafter in unserer Lagerschule
Am Mittwoch, dem 11. März, besuchte der deutsche Botschafter im Libanon unsere informelle Lagerschule in Akkar und nahm anschließend an einem Mittagessen mit Mitgliedern unseres regionalen Lenkungsausschusses in Bkarzla teil, dem Dorf unseres ersten Friedenszentrums.
Es war der erste Besuch von Botschafter Christian Clages in Akkar, an der Nordgrenze des Libanon. Diese Region erhält wegen der Sicherheitslage und der schwierigen Anreise von Beirut aus nur sehr wenige offizielle Besuche. Sie ist die ärmste Region des Libanon und nimmt heute im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten syrischen Flüchtlinge auf: Etwa 200.000 Libanesen leben Seite an Seite mit 150.000 Flüchtlingen. Die Menschen hier fühlen sich von der Zentralregierung und der internationalen Gemeinschaft vernachlässigt und im Stich gelassen.
In unserer informellen Lagerschule wurde der Botschafter von den Schülerinnen und Schülern begeistert empfangen und konnte aus erster Hand von syrischen Flüchtlingen über ihre Schwierigkeiten und ihre harten Lebensbedingungen hören. Die größten Sorgen, die Herrn Clages vorgetragen wurden, waren die völlige Ungewissheit über den Flüchtlingsstatus im Libanon, die fehlende Bildung für die Jugend und das Fehlen angemessener medizinischer Einrichtungen. Die deutsche Delegation wurde eindringlich gebeten, dass die Bundesregierung das Aufnahmeprogramm erneuert, um bedrohten Flüchtlingen einen Ausweg zu bieten.

Beim Mittagessen im Flussrestaurant von Bkarzla führte der Botschafter intensive Gespräche mit Mitgliedern unseres regionalen Lenkungsausschusses. Der sunnitische Mufti war anwesend, ebenso der alawitische Scheich, ein maronitischer Monsignore und mehrere weitere syrische und libanesische lokale Würdenträger und Bürgermeister. Am Rande fanden wichtige Gespräche zwischen sunnitischen und alawitischen Delegierten über die Ermordung eines alawitischen Würdenträgers statt, der eine Woche zuvor in seinem Dorf in Akkar von bewaffneten Männern erschossen worden war. Die sunnitischen Autoritäten erklärten sich bereit, eine Stellungnahme abzugeben, die die Tat verurteilt.
Der Auftrag von R&R Syria ist es, in den Gebieten, die unter der Syrienkrise leiden, alle Gemeinschaften um ein gemeinsames Anliegen zu vereinen: die Zukunft der Jugend. Wir verbinden so Konflikttransformation mit humanitärer Hilfe und unterwerfen uns dem Konsens der moralischen Autoritäten der örtlichen Zivilgesellschaft. Der Vorsitzende von R&R Syria, Friedrich Bokern, betonte, dass nur sehr wenige Botschafter und Würdenträger nach Akkar kommen, um die vielen Anstrengungen vor Ort zu würdigen. Die Arbeit von R&R Syria zeigt, dass Vertrauen und Verständnis durch eine dauerhafte Präsenz aufgebaut werden können.


